Die stille Erschöpfung der Mittleren: Warum Middle Manager besonders gefährdet sind
Du führst ein Team. Du berichtest nach oben. Du vermittelst, übersetzt, pufferst. Du bist gleichzeitig Chef und Untergebener, Vertrauensperson und Durchführungsorgan. Und irgendwie soll das alles – locker – neben Deiner eigentlichen Arbeit laufen.
Wenn es Dir manchmal vorkommt, als würdest Du permanent zwischen den Stühlen sitzen – dann bist Du nicht allein.
Und wenn Du Dich fragst, warum Du abends so erschöpft bist, obwohl Du doch „nur“ Deinen Job gemacht hast: Dieser Artikel ist für Dich.
Die unsichtbare Belastung in der Mitte
Middle Manager – also Führungskräfte, die selbst Mitarbeitende führen und gleichzeitig an höhere Führungsebenen berichten – stehen unter einem strukturell einzigartigen Druck.
Studien der Unternehmensberatung Gallup zeigen regelmäßig: Middle Manager weisen im Vergleich zu Mitarbeitenden ohne Führungsverantwortung und zu Senior Executives höhere Erschöpfungswerte auf. Das klingt paradox – aber es hat einen Grund.
Während Executive-Ebenen oft mehr Gestaltungsspielraum haben und Mitarbeitende ohne Führungsverantwortung weniger Rollenambiguität erleben, sitzen Middle Manager in der Zange:
- Sie empfangen Druck von oben (Ziele, Entscheidungen, Veränderungen) und sollen ihn nach unten abfedern.
- Sie erhalten Informationen verzögert und müssen trotzdem sofort antwortfähig sein.
- Sie sind Ansprechperson für ihr Team – auch emotional – und haben gleichzeitig wenig Raum, eigene Belastungen zu zeigen.
- Sie haben Verantwortung, aber oft nur eingeschränkte Entscheidungsfreiheit.
Der Sandwich-Effekt – und warum er emotional so zermürbt
In der Organisationspsychologie wird das als „Sandwich-Position“ bezeichnet. Und der Name trifft es gut: Man wird von zwei Seiten gedrückt.
Was dabei passiert, ist aus Sicht der Positiven Psychologie und der Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan gut erklärbar: Das Grundbedürfnis nach Autonomie – das heißt das Erleben, selbst wirksam und handlungsfähig zu sein – wird systematisch eingeschränkt.
Das ist kein bloß unangenehmes Gefühl. Es ist ein psychologischer Stressor, der dauerhaft Energie kostet.
Hinzu kommt, was ich als „emotionale Unsichtbarkeit“ bezeichne: Middle Manager sollen für ihr Team da sein. Aber wer ist für sie da? Wer fragt nach, wie es der Führungskraft selbst geht? In vielen Organisationen: niemand.
Stille Signale: Woran erkennst Du, dass Du zu viel trägst?
Die Erschöpfung in der mittleren Führungsebene schleicht sich oft an. Sie ist nicht dramatisch – sie ist leise. Ein paar Zeichen, die ich häufig in meiner Arbeit erlebe:
- Du machst Dir abends noch Sorgen um Themen aus dem Team, obwohl der Arbeitstag längst vorbei ist.
- Du merkst, dass Du weniger geduldig wirst – mit Deinem Team, mit Deinen Vorgesetzten, mit Dir selbst.
- Du hast das Gefühl, nie wirklich fertig zu sein. Immer gibt es etwas, das wartet.
- Deine Erholung am Wochenende reicht nicht mehr aus, um die Woche wirklich aufzufangen.
- Du fragst Dich im Stillen: „Ist das alles noch mein Ding?“
Diese Signale sind keine Schwäche. Sie sind Informationen.
Dein Nervensystem kommuniziert. Die Frage ist, ob Du zuhörst.
Was wirklich hilft – jenseits von „mehr Resilienz“
An dieser Stelle wäre es einfach, Dir zu raten: „Sei resilienter! Mach mehr Sport! Meditiere!“ Und ja – all das hat seinen Wert.
Aber ich glaube, dass die Lösung tiefer liegt. Denn das Problem ist kein individuelles Versagen. Es ist eine strukturelle Herausforderung, die auch strukturell betrachtet werden muss.
Was aus meiner Erfahrung – und aus der Forschung – wirklich hilft:
- Emotionale Entlastungsräume schaffen: Supervision, Coaching oder kollegiale Fallberatung sind keine Luxus-Instrumente, sondern Prophylaxe.
- Die eigenen Grenzen kennen und artikulieren lernen – nicht nur nach unten (zum Team), sondern auch nach oben (zu Vorgesetzten).
- Den PERMA-Faktoren bewusst Raum geben: Sinn in der eigenen Rolle finden, Beziehungen pflegen, kleine Erfolge sehen und feiern.
- Emotionale Muster erkennen: Was genau macht Dir am meisten zu schaffen – und warum? Oft steckt dahinter mehr als die aktuelle Situation.
Was Du jetzt tun kannst: Eine Reflexionsfrage
Bevor Du weitermachst: Nimm Dir einen Moment.
Was trägst Du gerade mit – das eigentlich nicht allein Deins ist?
Manchmal reicht diese Frage, um zu erkennen, wie viel man unbewusst übernommen hat. Von der Stimmung im Team. Von den Erwartungen von oben. Von dem, was mal eben schnell „mit erledigt“ werden sollte.
Das Ablegen ist keine Aufgabe für fünf Minuten. Aber das Erkennen ist der erste Schritt.
Du bist in einer mittleren Führungsrolle und merkst, dass Du Dich gerade mehr trägst, als Du vielleicht zeigst?
Im Coaching schauen wir gemeinsam hin – ohne Schublade, ohne Bewertung.
Ich freue mich, wenn Du Dich meldest.
Schön, dass Du meinen Blog-Artikel gelesen hast.
Ich freue mich, wenn sich unsere Weg nochmal kreuzen❗️
Herzliche Grüße
Britta Heimann
🥰

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