„Ich bin doch gar nicht wütend“ – Warum viele Frauen in Führung ihre Emotionen nicht benennen können (und was das kostet)
Kennst Du dieses Gefühl? Du sitzt im Meeting, ein Kollege übernimmt Deinen Vorschlag – und eine Sekunde später hörst Du Dich sagen: „Alles gut, kein Problem.“ Aber irgendetwas in Dir ist eben nicht „kein Problem“.
Du funktionierst. Du lieferst. Du hältst zusammen.
Und trotzdem wächst da etwas, das Du nicht so genau benennen kannst. Eine Anspannung. Eine Schwere. Ein leises „Eigentlich…“
Was, wenn das gar kein Charakterfehler ist – sondern eine erlernte Reaktion? Und was, wenn das Nicht-Benennen von Emotionen langfristig viel mehr kostet, als Du ahnst?
Emotionen benennen – warum fällt es uns so schwer?
Viele Frauen in Führungspositionen sind hervorragend darin trainiert, Emotionen zu regulieren – im Sinne von:
- zu unterdrücken,
- zu verschieben,
- wegzulächeln.
Das beginnt oft früh.
Schon als Mädchen lernen viele: „Sei nicht so empfindlich.“ „Mach Dir nichts draus.“ „Das ist doch nicht so schlimm.“
Im Berufsleben verstärkt sich das.
Wer als Führungskraft emotional reagiert, riskiert, als „zu persönlich“, „zu weich“ oder – noch schlimmer – als „hysterisch“ wahrgenommen zu werden.
Also lernen wir, unsere Gefühle herunter zu regulieren, bevor wir sie überhaupt richtig gespürt haben.
Das Problem: Was wir nicht benennen, können wir nicht verstehen. Und was wir nicht verstehen, kann uns steuern.
Was die Forschung dazu sagt
Der Neurowissenschaftler Matthew Lieberman hat gezeigt, dass das bewusste Benennen von Emotionen – im Englischen „affect labeling“ – die Aktivität der Amygdala messbar reduziert.
Die Amygdala ist jener Teil des Gehirns, der Alarm schlägt, wenn wir uns bedroht fühlen.
Einfacher ausgedrückt: Wenn wir in Worte fassen, was wir fühlen, beruhigt sich unser Nervensystem. Nicht weil das Gefühl verschwindet – sondern weil der präfrontale Kortex (unser „denkender“ Teil) wieder mit ins Spiel kommt.
Oder wie der Psychologe Dan Siegel es formuliert: „Name it to tame it.“ Benenn es, um es zu zähmen.
Was bedeutet das für Führungskräfte? Wer gelernt hat, Emotionen konsequent zu übergehen, verliert mit der Zeit den Zugang zu einer entscheidenden Informationsquelle: den eigenen inneren Signalen.
Der blinde Fleck: Wenn Emotionen „unsichtbar“ werden
Ich erlebe das in meiner Coaching-Praxis regelmäßig. Frauen kommen zu mir – erfahren, kompetent, erfolgreich – und sagen Dinge wie:
- „Ich weiß gar nicht, was ich fühle. Ich spüre irgendwie… nichts.“
- „Ich bin doch nicht wütend. Ich finde die Situation nur… unschön.“
- „Ärger? Nein. Ich bin vielleicht ein bisschen… frustriert. Aber das ist okay.“
Das klingt nach Gelassenheit. Ist es aber oft nicht.
Es ist das Ergebnis jahrelanger Übung darin, die eigenen Emotionen kleinzumachen – zu normalisieren, zu rationalisieren, wegzuerklären.
Und dieser blinde Fleck hat Folgen.
Denn Emotionen verschwinden nicht, wenn wir sie ignorieren.
Sie zeigen sich nur anders:
- als anhaltende Müdigkeit,
- als diffuse Unzufriedenheit,
- als plötzliche Überreaktionen in vermeintlich kleinen Momenten – oder als das, was viele als „Burnout“ erleben.
Was das wirklich kostet
Wenn Führungskräfte keinen Zugang zu ihren eigenen Emotionen haben, hat das weitreichende Konsequenzen – für sie selbst und für ihr Team:
- Entscheidungen werden rationaler begründet, als sie tatsächlich getroffen werden – der emotionale Input bleibt unbewusst.
- Empathie wird zur Technik statt zur echten Verbindung – Teams spüren den Unterschied.
- Eigene Belastungsgrenzen werden nicht rechtzeitig erkannt – bis der Körper übernimmt.
- Konflikte eskalieren, weil aufgestaute Emotionen irgendwann doch herausbrechen.
Emotional nicht zu benennen, was ist, kostet Energie. Viel Energie. Die an anderen Stellen fehlt.
Emotionale Souveränität beginnt mit Benennen
Der erste Schritt zu mehr emotionaler Kompetenz ist keine große Veränderung. Er ist klein. Er beginnt mit einer einzigen Frage:
Was fühle ich gerade – wirklich?
Nicht: „Was ist vernünftig zu fühlen?“ Nicht: „Was darf ich als Führungskraft fühlen?“ Sondern: Was ist da gerade in mir?
Das emTrace®-Emotionscoaching arbeitet genau hier an.
Es hilft, die oft dicht unter der Oberfläche liegenden Gefühle überhaupt erst wahrnehmbar zu machen – ohne zu urteilen, ohne zu dramatisieren. Einfach: mit Klarheit.
Denn erst wenn Du weißt, was Du fühlst, kannst Du entscheiden, wie Du damit umgehst. Das ist der Unterschied zwischen Reaktion und Souveränität.
Eine kleine Übung für den Alltag:
Der Emotions-Check-in
Nimm Dir einmal täglich – zum Beispiel nach dem Mittagessen oder nach einem herausfordernden Meeting – zwei Minuten Zeit für diese drei Fragen:
- Was fühle ich gerade in meinem Körper? (Spannung, Enge, Wärme, Erschöpfung…)
- Welche Emotion steckt dahinter, wenn ich ehrlich bin? (Ärger, Enttäuschung, Trauer, Freude, Stolz, Erleichterung…)
- Was brauche ich gerade – auch wenn ich es mir vielleicht nicht sofort geben kann?
Es braucht keine perfekte Antwort. Es braucht nur die Bereitschaft, hinzuschauen. Du merkst, dass Du Dir selbst oft nicht so klar bist, wie Du es gerne wärst?
Ich begleite Dich dabei, wieder Zugang zu Deiner eigenen emotionalen Intelligenz zu finden – mit wissenschaftlich fundiertem Emotionscoaching und einem wohlwollenden Blick.
Schreib mir gerne.
oder buch Dir ein kurzes Kennenlernen mit mir
Schön, dass Du meinen Blog-Artikel gelesen hast.
Ich freue mich, wenn sich unsere Weg nochmal kreuzen❗️
Herzliche Grüße
Britta Heimann
🥰

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